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Die Schweden und der Alkohol – ein zwiespältiges Verhältnis

Alkohol in Schweden – Preise, Gesetze und das spezielle Trinkverhalten der Schweden

Alkohol in Schweden - Preise, Gesetze, Trinkverhalten der Schweden

Alkohol in Schweden – Preise, Gesetze, Trinkverhalten der Schweden

Schweden ist für viele nicht nur für Elche, IKEA und ABBA bekannt, sondern auch für seine hohen Alkoholpreise. Die Unterschiede zwischen deutschen und schwedischen Alkoholpreisen sind teils erheblich.

Alkoholpreise in Schweden – Preisvergleich

  • Eine Flasche Absolut Vodka, die in Deutschland 12 Euro kostet, kostet in Schweden rund 239 SEK ca. 27 EUR.
  • Eine Dose König Pilsener 0,33 Liter, kostet in Schweden 9,40 SEK, ca. 1,07 EUR, ohne Pfand, in Deutschland bekommt man im Supermarkt für das gleiche Geld einen ganzen Liter, also das Dreifache.
  • Eine Flasche Baileys, 0,7 Liter, kostet in Deutschland rund 12 EUR, in Schweden fast das Doppelte, 199 SEK, ca. 23 EUR.

Die billigsten Flaschen Rotwein, 0,7 Liter, kosten 49 Schwedische Kronen (ca. 5,50 Euro). Die Weine in dieser Preisklasse sind jedoch nicht zum feinen Dinieren, sondern eher für Studentenparties oder als Zugabe zur Feuerzangenbowle geeignet.

Grund für die hohen Alkoholpreise ist unter anderem die relativ hohe Besteuerung von Alkohol in Schweden. Hier eine Übersicht die geltenden Steuersätze für alkoholische Getränke in Schweden von der Schwedischen Steuerbehörde “Skatteverket”.

Video: Alkoholpreise in Schweden – Quittung von einem Bier- und Cider-Einkauf im schwedischen Systembolaget
Die 10 beliebtesten Biersorten der Schweden im Test

Fazit: Alkohol in Schweden ist teuer – einige Getränke kosten teils doppelt so viel wie in Deutschland.

Das Systembolaget – Herrscher über die Promille

Und weil die preisbewussten Schweden so viel für ihren Alkohol zahlen müssen, sind die Weine im Systmbolaget auch in erster Linie nach dem Preis und dann erst nach dem Herkunftsland sortiert.

Ach ja, das Systembolaget, oder “systemet” wie es im Volksmund auch genannt wird, ist die einzige Verkaufsstelle wo man in Schweden alkoholische Getränke kaufen kann. Jedenfalls wenn man von Bier (folköl) und dem in Schweden beliebten Cider mit bis zu maximal 3,5% Alkhohol absieht, das man dann auch in gewöhnlichen Supermärkten und an Tankstellen erhält. Wenn dich also abends, nachdem das Systembolaget geschlossen hat, der Heißdurst auf Wein oder eine bestimmte Sorte Schnapps packt und du nicht auf Vorräte zurückgreifen kannst, bleibt dir keine andere Wahl als in ein Lokal mit Ausschanklizenz zu gehen und es dort vor Ort zu trinken.

Das Systembolaget ist komplett in Staateshand und hat ein Monopol auf den Verkauf von alkoholischen Getränken über 3,5 Volumenprozent. Es ist mit Filialen in den Städten und Regionen vertretetn.

Die Schweden sind sehr strikt was den Zugang zu Alkohol angeht. Trinken darf man alkoholische Getränke erst ab 18. Das Einkaufen alkoholischer Getränke im Systembolaget ist erst ab einem Alter von 20 Jahren gestattet.

Alkoholismus in Schweden

Viele Schweden halten diese Regulierung durch das Systembolaget für nötig, weil sie der Meinung sind, dass sonst noch mehr Menschen Alkholiker werden. Derzeit sind rund 3,5% der schwedischen Bevölkerung alkholabhängig (330.000 Schweden, CAN). Sowohl durch den begrenzten Zugang zu Alkohol durch das Systembolaget, als auch den hohen Preis versucht man den Konsum zu drosseln. Forscher schätzen, dass die Liberalisierung des Alkoholmarktes auf einen ähnlichen Stand wie in Deutschland dazu führen würde, dass der Alkoholkonsum in Schweden um rund 30% steigen würde – vermutlich auch längerfristig.

Alkoholimport – Deutschlandreise

Knapp 50% des privatimportierten Alkohols kommt aus Deutschland. An Universitäten in Südschweden werden sogar von Studentenorganisationen regelmäßig Tagesreisen mit dem Bus nach Deutschland angeboten.

Wenn man mit der Fähre nach Schweden oder Dänemark fährt sieht man nicht selten, bis zur Maximallast mit Bierpaletten vollgestopfte Volvo Kombis des Typen V70  älteren Baujahrs,  besonders gut an den Hinterrädern erkennbar die aufgrund der hohen Last fast gänzlich in den Radhäusern verschwinden.

Das Trinkverhalten der Schweden

Der Alkoholkonsum wird gesellschaftlich anders betrachtet als in Deutschland. In Schweden ist es zum Beispiel unüblich auch während der Woche abends ein Glas Wein oder eine Flasche Bier zu trinken. Knapp zwei Drittel der Schweden sind von Montag bis Donnerstag komplett enthaltsam (SCB).  Wenn man es trotzdem tut muss man sich teils kritische Blicke gefallen lassen.

Das was sich die Schweden während der Woche einsparen wird dann aber am Wochenende nachgeholt. Dass einige Schweden schnell eine hohe Menge zu sich nehmen mag auch daran liegen, dass in den meisten Lokalen um 2.00 Uhr Sperrstunde ist und die Läden dicht gemacht werden.

Ausgehen = Trinken

Es fällt eine Tendenz auf, dass bei den Schweden das Ausgehen oder “Feiern” mit dem Alkoholkonsum sehr stark verknüpft ist. Es passiert gelegentlich, dass jemand ein Fernbleiben von einem geselligen Abend in einer Kneipe damit entschuldigt, dass er eine “weiße Woche” bzw. einen “weißen Monat” hat, also über einen gewissen Zeitraum garkeinen Alkohol zu sich nehmen will.

Gesetze und Strafen

In den meisten Kommunen Schwedens ist das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten – wer sich erwischen lässt wird, je nach kommunalen Bestimmungen, mit einem Bußgeld in Höhe von 500 SEK (ca. 56 Euro) bestraft. In vielen Fällen wird das Getränk von den Polizisten einfach nur beschlagnahmt und ausgegossen.

In Schweden gilt die 0,2 Promillegrenze. Ab 0,3 Promille wird der Führerschein direkt von der Polizei für zwei bis zwölf Monate eingezogen. Wer mit über 1,0 Promille erwischt wird, muss sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen. (Vägverket)

Das Fahren im angetrunkenen Zustand wird auch gesellschaftlich streng verurteilt.  Selbst wenn man Schweden sagt man wolle nur ein Glas Bier trinken und dann etwas später noch fahren, wird man wie ein Halbkrimineller angeschaut. Bei den meisten gilt null Toleranz gegenüber “Trinken und Autofahren”.

Die Schweden haben ein ambivalentes Verhältnis zum Alkohol

Es scheint also ein wenig so zu sein, dass sich die schwedische Gesellschaft wegen der Neigung zum hohen Alkoholkonsum für strenge Mittel der Selbstkontrolle entschieden hat (Systembolaget, Strafgesetz). Gleichzeitig wird Alkohol aber als ein wertvolles Gut bewertet.

Wenn du also das nächste mal mit dem Auto nach Schweden fährst, solltest du also zwei Dinge unbedingt berücksichtigen: Fahre absolut nüchtern – und wenn du einem Schweden ein Geschenk mitbringen möchtest, machst du mit einer Flasche Hochprozentigem in den seltensten Fällen etwas falsch ;)

 

(Dieser Blog-Post wurde upgedated am 28.8.2013)

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Weitere Links zum Thema:

Schwedisches Bier
Schwedischer Cider
Schwedens Alkoholgesetz (Alkohollag)
Systembolaget
Alkoholkonsum Schweden Fakten (schwedisch)
Systembolagetkampanj (schwedisch)
Schwedische Alkoholsteuer (Skatteverket, schwedisch)

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  1. Tipps zur Anreise mit dem Auto nach Schweden | Hej Sweden | discover the Swedish Way of Life - 2013/06/08

    [...] man hat die Möglichkeit zum letzten mal günstige alkoholische Getränke zu kaufen bevor man die hohen skandinavischen Alkoholpreise zahlen muss. Während der Hauptsaison und Fähre legt zweimal pro Stunde, also alle 30 Minuten ab. [...]

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