Autofahren in Schweden – Worauf du im schwedischen Straßenverkehr achten solltest

Wichtige Verkehrsregeln und das besondere Fahrverhalten der Schweden

Achtung Elche - Elchschild Schweden
Achtung Elche!

Wer schon mal selbst im Ausland Auto gefahren ist weiß, dass nicht nur die Gesetze und Regeln anders sind als in Deutschland, sondern teils auch das Fahrverhalten der Autofahrer. Hier ein paar Tipps und Infos rund um das Thema Autofahren in Schweden.

Verkehrsregeln in Schweden

Tempolimits in Schweden

In Städten gilt wie in Deutschland 50 km/h, auf Landstraßen 70 km/h. Auf Autobahnen gilt allgemein eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Auf einigen Teilstrecken wird allerdings seit einiger Zeit ein Tempo 120 km/h erlaubt – ist aber eher die Ausnahme. Für Pkw mit Anhänger gilt wie in Deutschland die maximal zugelassene Geschwindigkeit 80 km/h.

Alkohol am Steuer in Schweden

Maximal 0,2 Promille sind erlaubt. Nichts also mit dem Glas Wein oder Fläschchen Bier und dann noch zum Hotel oder zum Ferienhaus fahren.

Strafen

Wer mehr als 0,2 Promille im Blut hat muss mit saftigen Strafen rechnen. Ab 0,3 Promille wird der Führerschein direkt von der Polizei für zwei bis zwölf Monate eingezogen. Fährst du mit über 1,0 Promille, musst du sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen. (Quelle: Trafikverket)

Alkohol am Steuer wird auch gesellschaftlich streng verurteilt.  Selbst wenn man einem Schweden sagt man wolle nur ein Glas Bier trinken und dann etwas später noch fahren, läuft man Gefahr wie ein Halbkrimineller angeschaut zu werden. Meistens gilt null Toleranz gegenüber “Trinken und Autofahren”.

Achtung! Elche im Straßenverkehr

Gefahren durch Elche in Schweden Viele deutsche kennen den Achtung Elch!-Aufkleber auf den Kofferräumen vieler deutscher Schweden-Touristen. Und tatsächlich sieht man dieses Schild häufig am Straßenrand schwedischer Autobahnen und Landstraßen. In Schweden sind Unfälle mit Elchen sehr gewöhnlich – täglich verunglücken Menschen beim Zusammenstoß mit dem Paarhufer – nicht selten mit tödlichem Ausgang für alle beteiligten. Wer einen Elch auf der Fahrbahn sieht sollte tunlichst ausweichen (!) und nicht wie beim Wildwechsel in Deutschland versuchen die Spur zu halten. Der hohe Schwerpunkt und das hohe Gewicht der Elche sorgt bei einem Aufprall oft dafür dass der Körper durch die Windschutzscheibe in die Fahrgastzelle schlägt und die Insassen dabei verletzt oder tötet.

Auch wenn du nur einen Elch am Straßenrand siehst, ist es ratsam und in Schweden üblich den entgegenkommenden Verkehr mit mehrmaligem Aufblinken der Lichthupe oder Einschalten des Warnlichtes auf die Gefahr hinzuweisen.

Mehr wissenswerte Infos zum Elch in Schweden, in diesem Artikel

Der komische Seitenstreifen auf Landstraßen

Auf schwedischen Landstraßen hat man häufig einen Seitenstreifen der mit einer etwas dichter gestrichelten Linie (siehe Bild) gekennzeichnet ist. Man soll möglichst nicht auf der rechten Seite fahren da diese in erster Linie für Fußgänger, Fahrrad- und Mopedfahrer gedacht ist; man darf sie jedoch überqueren um von hinten herannahendem Verkehr das Überholen zu erleichtern.

Seitenstreifen auf schwedischen Landstraßen und Autobahnen- Hej Sweden

Licht einschalten!

Zu jeder Zeit, egal ob heller Sonnenschein oder nicht, muss das Abblendlicht eingeschaltet werden.

Für den schwedischen Markt gebaute Pkw schalten beim Starten der Zündung automatisch das Licht ein. Wenn du also einen Schweden mit einem für den deutschen Markt hergestellten Auto fahren lassen willst, solltest du ihn darauf hinweisen das Licht ein- und auszuschalten. Viele Schweden schalten dann meist nur das Standlicht ein, also auch hier am besten zeigen wie man das Abblendlicht richtig einschaltet.

Mehr zum Thema Alkohol in Schweden – Preise, Gesetze, schwedische Trinkkultur

Fahren im schwedischen Kreisverkehr

In Schweden gibt es jede Menge Kreisverkehre, wer (wie ich) seinen Führerschein im vergangenen Jahrtausend gemacht hat, hier ein Hinweis bzw. eine Auffrischung wie man sich im Kreisverkehr richtig zu verhalten hat: Beim Einfahren in einen zweispurigen Kreisverkehr sollte man – falls nicht anders mit Pfeilen gekennzeichnet – auf der rechten/äußeren Spur bleiben um nach rechts abzubiegen oder geradeaus zu fahren. Auf der linken/kreisinneren Spur fährt man entweder geradeaus oder nach links. Der Blinker wird nicht vor der Einfahrt in den schwedischen Kreisverkehr gesetzt, sondern man blinkt erst kurz vor dem Herausfahren.

Rechts vor links

Noch ein kleiner aber nicht unwesentlicher Tipp: in Schweden gilt wie in Deutschland die rechts vor links Regel, und das an Straßen wo man es vielleicht nicht erwarten würde, zum Beispiel weil die einmündende Straße deutlich schmaler oder unauffälliger ist. Hier bitte besonders auf Vorfahrtsbeschilderung und den von rechts herannahenden Verkehr aufpassen!

Fahrverhalten der Schweden

Die Schweden und das Reißverschlusssystem

Wenn zwei Spuren, zum Beispiel aufgrund einer Baustelle ineinander laufen gilt es sich früh genug auf die Zielspur einzufädeln. Die Schweden haben nämlich ein Problem damit im Verkehr anderen den Vortritt zu lassen. Wenn man zu lange auf der Einfädelspur bleibt und dabei an anderen Fahrzeugen auf der Zielspur vorbeifährt wird das von vielen als Vorteilnahme auf Kosten anderer betrachtet und nicht selten damit bestraft dass man nicht in die Zielspur hineingelassen wird.
(Diese Eigenart ist auf das in der schwedischen Gesellschaft herrschende „Jantelagen“ zurückzuführen.)
Ich wieß, das klingt ein wenig dumm, schließlich trägt dieses sture verhalten nicht gerade zum fließenden Verkehr bei. Man muss sich als Gast in Schweden – auch wenn es einen manchmal aufregen mag – an solche landeseigenen Verhaltensweisen gewöhnen und sie akzeptieren.
(Zugegeben, ich mag die Schweden, aber das mit der Unfähigkeit bzw. Unwillen zum Anwenden des Reißverschlusssystems hat mich schon manches Mal zur Weißglut getrieben. ;) )
Immerhin, in schwedischen Großstädten wird auf andere Verkehrsteilnehmer beim Einfädeln mehr Rücksicht genommen.

Gemütliches Reisen

Reist man mit dem Auto nach Schweden – egal ob über die Öresundbrücke oder mit der Fähre – merkt man direkt dass es auf schwedischen Straßen ruhiger zugeht als auf deutschen.

Die Möglichkeit zum gemütlichen Reisen in Schweden ist nicht nur auf das geringe Tempolimit und die geringere Bevölkerungsdichte zurückzuführen sondern auch auf die Mentalität der Schweden. Da es sich nicht schickt sich einen „Vorteil auf Kosten anderer“ zu verschaffen wird auch weniger gedrängelt. Man fährt nicht so dicht auf. Und die Hupe wird seltener betätigt, (was allerdings eher etwas mit der schwedischen Konfliktscheue zu tun hat).

Auf Autobahnen kann man oft in Ruhe cruisen und kann endlich vom Tempomat Gebrauch machen und nicht selten eine halbe Stunde fahren ohne ein Pedal berühren zu müssen.

Das Autofahren in Schweden ist also wesentlich stressfreier als in Deutschland – auch wenn man sich auf den leeren gut ausgebauten Autobahnen Schwedens manchmal ein etwas höheres Tempolimit wünscht.

 

Weitere Infos

Mehr zum Thema mit dem Auto nach Schweden reisen 
Schwedische Verkehrsregeln, (englische Website vom Transportstyrelsen, Verkehrsministerium)

Welche Erfahrungen hast die auf schwedischen Straßen gemacht? Womit würdest du diese Liste ergänzen?
Teile deine Erfahrungen unten im Kommentarfeld.

5 Gedanken zu „Autofahren in Schweden – Worauf du im schwedischen Straßenverkehr achten solltest

  1. Es gibt noch ein paar Besonderheiten für Fußgänger in Schweden.

    Allgemein wird in Schweden auf die schwächeren (unmotorisierten) Verkehrsteilnehmer deutlich mehr Rücksicht genommen als in Deutschland.

    Am Zebrastreifen sollte man möglichst weit vom Straßenrand entfernt gehen und das Tempo nicht verlangsamen, wenn man die Straße NICHT queren möchte. Geht man langsam an den Zebrastreifen heran (und von denen gibt es eine schier unglaubliche Anzahl in den Städten!), erwarten die Autofahrer, dass man über die Straße möchte und halten unverzüglich an. Rein rechnerisch braucht man etwa fünf Personen, um den Verkehr in einer Kleinstadt nahezu komplett zum Erliegen zu bringen…

    Sehr gewöhnungsbedürftig sind die Zebrastreifen an einem Übergang mit Ampel, die man häufig in den großen Städten findet. Fließt kein Verkehr, überquert man die Straße einfach. Sollten jedoch Fahrzeuge kommen, wartet man auf grünes Licht oder bis das letzte Fahrzeug vorbei ist. There größte Kulturschock, als ich in Göteborg zum ersten Mal eine schwedische Stadt betrat, waren diese kombinierten Übergänge…

  2. Da ich schon über 10 Jahre nach Schweden fahre stimmt das mit dem "nicht dicht auffahren" nicht. Die Schweden fahren sogar höst dicht auf, sie meinen das aber nicht böse, man muß sich nur halt drann gewöhnen :)

    • Ja da kann ich nur zustimmen. Man muss halt die ‚deutsche Denkweise‘ …. der da hinten will mich provozieren ablegen ;)
      Dann passt das wunderbar :)

  3. Den Gebrauch der rechts-vor-links-Regel beobachte ich hier in Trollhättan anders. Es gibt hier anscheinend „Vorfahrtsstraßen“ ohne Beschilderung an deren Kreuzungen man sich auf keinen Fall auf sein Recht auf Vorfahrt verlassen sollte. Diese Straßen sind breiter oder länger und werden einfach, wenn das Gefühl stimmt, ohne Rücksicht durchgefahren.

    Die Schilderung mit den Zebrastreifen beobachte ich ähnlich wie der Autor. Musste aber auch schon mit einem Satz vom Zebrastreifen auf den Gehweg springen, da dass herannahende Auto keine Anstalten machte zu bremsen. Liegt das daran, dass Fußgänger hier häufig Warnwesten tragen und der gemeine Autofahrer daher einen normalbekleideten Fußgänger nicht mehr richtig wahrnimmt?

    Nervig ist hier die Regelung des Radverkehrs. Häufig gibt es mit Fußgängern gemeinsam zu nutzende Wege oder beidseitige Radwege an einem der Straßenränder. Radfahrer scheinen hier ihre Rolle als dem Auto gegenüber schwächerer Verkehrsteilnehmer angenommen zu haben, so dass man munter klingelnde Radfahrer auf ausschließlichen Gehwegen erleben darf.

  4. Aufgrund von Vorfällen in kurzer Folge noch eine Anmerkung zum Radfahren in der schwedischen Kleinstadt. Es ist gefährlich.

    Auf dem Geweg, möglichst langsam und ohne Anspruch auf Vorfahrt wie ein Fußgänger, so ist man Fahrradfahrer hier gewohnt. Erdreistet man sich dagegen, auf der Fahrbahn zu fahren, sollte man sich darauf einstellen, von Autofahrern nicht wahrgenommen zu werden.

    Als Linksabbieger im Gegenverkehr fahren sie dir quer durch die Bahn. Oder biegen in deine Spur ab, wenn du in voller Fahrt einen Hügel runterkommst und eigentlich Vorfahrt hast.

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