Schwedische Arbeitskultur – Hinweise für die Arbeit mit Schweden – Kulturunterschiede

Schwedische Arbeitskultur - Arbeiten in Schweden, mit Schweden
Schwedische Arbeitskultur – Arbeiten mit Schweden

Schweden sind in vielerlei Hinsicht anders als die Deutschen, auch am Arbeitsplatz. Auf dieser Seite erfährst du mehr über die kulturellen Unterschiede die du bei der Zusammenarbeit mit Schweden oder an schwedischen Arbeitsplätzen erfahren wirst.

Arbeiten in Schweden

Schweden arbeiten so gut wie garnicht im Juli

Im Juli ist fast ganz Schweden dicht. Man ist nach Thailand verreist, oder New York, oder macht es sich im Sommerhaus auf dem Land oder an der schwedischen Küste gemütlich. Büros werden nur spärlich besetzt, in der Regel von Praktikanten oder sogenannten sommarjobbare, mit befristeter Anstellung für den Sommer. Wer mit Schwedischen Unternehmen im Sommer arbeiten will wird sich schwer tun. Auch Entscheidungsträger sind dann im Urlaub. Es ist als wären sich alle Schweden einig zu sagen „Wir machen enfach alle gleichzeitig Urlaub, und gehen dafür dann alle wieder gleichzeitig zur Arbeit. Ab Ende Juli, Anfang August fängt der Ball dann wieder an zu rollen. Sonnengebräunte Schweden kehren an ihre verstaubten Tastaturen zurück und erzählen beim fika (Kaffeepause) von ihren besten Urlaubserlebnissen.

In der Regel fängt die Sommerpause kurz nach midsommar, Ende Juni, an. Da erzählt man sich dann wo man das midsommarfest verbringen wird und, dass man es dieses Jahr mit dem Schnapps und Wein aus dem Karton lieber etwas ruhiger angehen lassen will.

Casual Friday – jeden Tag

Wenn du nicht im uniformierten Beruf bist oder es im Management nicht mit internationalen Kunden zu tun hast, wirst du vermutlich deinen Anzug an normalen Arbeitstagen im Schrank lassen können. Ein Sakko reicht dann auch im gehobeneren Management schwedischer Großunternehmen, wenn überhaupt. Ein Hemd, eventuell mit Pulli drüber, kann schon reichen. Und wenn's warm ist, im Sommer, ein piké, T-Shirt mit Kragen und Chinos. Die sieht man dann auch hinter dem Schalter bei schwedischen Banken.

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Flache Hierarchien

In Schweden gibt es Hierarchien, die sind aber für Leute aus anderen Kulturen oft schwer zu entschlüsseln. Der Chef trägt meist ähnlich Kleidung wie alle anderen. Auch bei wichtigen Entscheidungen wird nach Konsensus gesucht. Jeder soll sich einbezogen fühlen (auch wenn der Chef am Ende doch macht was er ursprünglich geplant hatte. Die Gruppe einmal vorher zu fragen Vad tycker ni om det?, Was habt ihr dazu zu sagen?, gehört zum guten Ton und gilt nicht als Zeichen von Unsicherheit. Basta-Entscheidungen die mit lauter Stimme ausgesprochen werden gibt's meist nur beim Fußballtraining. Und, alle duzen sich.

Du oder Sie? Titel oder nicht?

Nicht „Herr Doktor Åkesson„, sonder „Du, Gustav!

Spreche deinen Chef mit dem Vornamen an: Mit einem Hej Monika, hoppas du har haft en bra helg! könnte zum Beispiel die Rezeptionistin am Montagmorgen die Vorstandsvorsitzende grüßen. Hej Monika, hoffe du hast ein schönes Wochenende gehabt! Dr. Peter Johansson oder Professor Dr. Erika Andersson wird man in Schweden allerhöchstens in formellen Briefen oder im Footer von E-Mails lesen können. Ein Schwede wird sich nie mit akademischem Titel vorstellen oder es bei der Kommunikation erwarten.
Mehr über das Duzen in Schweden, hier …

Arbeitszeiten

Schweden fangen pünktlich an und hören pünktlich auf. Wer phasenweise Überstunden macht wird vergütet oder kriegt zumindest ein freundliches Schulterklopfen vom Chef. Konstantes Überarbeiten ist in den allermeisten Branchen unüblich – es sei denn du arbeitest vielleicht für ein Startup. Leute, die pünktlich den Arbeitsplatz verlassen werden selten mit urteilenden Blicken von „Overachievern“ verurteilt. Jeder tut sein Bestes, zur richtigen Zeit. Über langen Zeitraum hinweg die richtige Balance zu finden ist hier die Devise. Schweden sind fleißig, wollen sich aber nicht so schnell stressen lassen. Wenn das doch über einen längeren Zeitraum der Fall ist, oder von Nöten war, hat in der Regel der Chef oder die Organisation etwas falsch gemacht.

Stressa inte för mycket!, (Lass dich nicht stressen!) ist ein Satz den man häufig in Schweden hört.

Langsame Entscheidungsprozesse

Schweden streben nach Harmonie! Sie sie suchen nach Kompromissen und meiden Konflikte. Diese Eigenschaft, in Kombination mit den flachen Hierarchien führt in Schweden zu langsameren Entscheidungsprozessen. Es werden auch schon mal Leute in der Organisation behalten, die eigentlich wenig zum Erfolg beitragen, nur weil Entscheider nicht mit den übrigen Angestellten einen Konflikt entstehen lassen will. Um in größeren, gut laufenden Firmen gefeuert zu werden muss man sich schon gröberen Unfug geleistet haben.

Termine vereinbaren

Wenn du mit einem Schweden einen Termin vereinbarst, der in etwas fernerer Zukunft liegt, kann es vorkommen, dass der Schwede zunächst sagt: Wie wär's mit Woche 27?, also die Wochennummer nennt. Entweder sagst du dann, dass du da gerade im Urlaub auf Teneriffa bist oder du schlägst einen konkreten Tag mit Tageszeit vor. Mittwoch den 25? Passt das? Am Vor- oder Nachmittag?
Auch die Öffnungszeiten – beziehungsweise Schließungszeiten im Sommer – werden in Kalenderwochen angegeben: zum Beispiel Vi har sommarstängt mellan vecka 27-32, (Wir haben in den Kalenderwochen 27-32 geschlossen), kann man in Schweden oft auf Webseiten und Eingangsschildern lesen.

Meetings

Hat man ein Meeting mit einer Person, die man noch nicht mehrmals getroffen hat, ist es üblich erst ein Paar Sätze Small-Talk miteinander zu wechseln: Wie hat die Anreise geklappt? War es einfach das Gebäude zu finden? Oh, was für ein Glück, dass das Wetter heute so schön ist! Allerdings bleibt es bei ein zwei kurzen Themen. Ebenso zum Ende hin, da wird zum Abschluss des Meetings – nach einem Då säger vi så (wörtlich: Dann sagen wir so, bedeutet ungefähr nun gut) – noch einmal das Wetter kommentiert: Heute ist ja wirklich perfektes Grillwetter oder eine Empfehlung ausgesprochen wo man am Besten zu Abend essen kann oder welche Sehenswürdigkeiten es eventuell in der Nähe gibt. Dazwischen werden kaum Scherze gemacht und es läuft meistens sehr effizient ab.

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Themenbereiche die es beim Small-Talk mit Schweden zu vermeiden gilt

  • Politik
  • Religion
  • Krankheiten
  • Sexuelle Scherze

Stattdessen lieber Themen wählen wo man einfach zu einem Konsensus kommt, (Kanelbullar sind lecker) und wodurch man eine angenehme Stimmung erzeugen kann (Schon mal im ABBA Museum gewesen?).

Quick facts

  • Schweden fallen einander seltener ins Wort. Man lässt die andere Person aussprechen.
  • Schweden können aufgrund ihrer – aus deutscher Sicht – zurückhaltenden Körpersprache und weniger emotionalen Ausdrucks (Mimik und Tonlage) unbekümmert und teilnahmslos wirken. Sei dir dessen bewußt, wenn du im nächsten Meeting das Gefühl hast, dass sich der Schwede dir gegenüber kaum für dein Anliegen interessiert.
  • Verhalten, dass als Angeberei angesehen werden kann ist in Schweden verpönt. Sprich lieber nicht über deine neuesten Errungenschaften, besonderen Leistungen oder Luxuserlebnisse.
  • Kritik wird nur in zaghafter Dosis geäußert. Wie erwähnt, möchte man Konflikte meiden und damit auch Kritik die zu unnötigen Konflikten führen kann. Schweden drücken ihre Kritik auf für Nicht-Schweden teils schwer verständliche Weise aus. Ich erinnere mich an Sitzungen die ich als normal und sachlich empfunden habe, mir aber danach von Schweden gesagt wurde, dass es da richtig zur Sache gegangen ist. Da fällt einem auf, dass man auch nach mehreren Jahren in Schweden alle Nuancen der Kommunikation noch nicht 100% entschlüsseln kann.
  • Vermeide Ironie und Sarkasmus. Das kann schnell zu Missverständnissen führen.

Sprache

Es gibt ein paar Schweden die Deutsch sprechen, vor allem die ältere Generation hat es mal ein wenig in der Schule gelernt. Verhandlungssicher sind aber nur wenige. Wenn du in einem internationalen Unternehmen, wie zum Beispiel IKEA arbeitest kann es sein, dass dort überwiegend Englisch gesprochen wird. Das Englisch der Schweden ist sehr gut. (Englische Filme und TV Shows werden in Schweden in der Regel nicht synchronisiert sondern lediglich mit Untertitel versehen.) Auch wenn du mit Englisch bestens in Schweden zurecht kommst, empfehle ich dir trotzdem bei längerem Aufenthalt zu versuchen zumindest die Grundzüge der schwedischen Sprache zu lernen, alleine Schon um das Land und die Leute besser zu verstehen. Es hilft auch dabei den Schweden zu zeigen, dass du dich engagierst und Interesse an deren Kultur und besserer Verständigung hast. Auch wenn dein Schwedisch holprig ist, wird man es schätzen, dass du es zumindest versucht hast deren Sprache zu lernen.

Schwedisch lernen, 10 Tipps

Bist du nur ein paar Tage in Schweden kann es Sinn machen wenigstens die wichtigsten Schwedisch Vokabeln und Sätze zur besseren Orientierung zu lernen. Jag pratar inte svenska. Ich spreche kein Schwedisch.

Die wichtigsten Schwedisch Vokabeln und Redewendungen, hier

Vertrauen

Dass viele schwedische Unternehmen gut laufen ist nicht nur trotz sondern auch gerade wegen der oben genannten Eigenarten möglich. Vor Allem weil die Schweden einander eher vertrauen, dass man bei der Arbeit wirklich sein Bestes gibt, Zeiten einhält und sich im Sinne des Unternehmens verhält. Das funktioniert nur, wenn da auch alle mitmachen. Die Arbeitsmoral ist hoch. Der Chef braucht sich in Schweden weniger um die Kontrolle kümmern. Schweden machen ihren Job mit hohem Pflichtbewusstsein. Aber eben bitte kein Stress! :)

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