
Jedes Jahr wandern viele Deutsche nach Schweden aus. Ca. 50.000 der 10 Millionen schwedischen Einwohner sind in Deutschland geboren. In Schweden haben ungefähr 30.000 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft.
Gründe für eine Auswanderung können sehr persönlich sein und sich stark unterscheiden. Um eine bessere Übersicht zu bekommen was dich in Schweden erwartet – positiv und negativ – habe ich hier eine Liste erstellt von Dingen, die man als Schweden-Auswanderer am Leben in Schweden häufig schätzt beziehungsweise nicht so gut findet.
Auswandern nach Schweden – Tipps
Nach Schweden auswandern, ja oder nein?
Schweden ist bekannt für die wunderschöne Natur, die freundlichen Menschen und fika. Jetzt hast du bestimmt schon den einen oder anderen Urlaub in Schweden verbracht und spielst mit dem Gedanken nach Schweden auszuwandern. Du möchtest eventuell ein neues Leben starten oder einfach eine fremde Kultur besser kennenlernen und ein Abenteuer wagen.
Ich habe die vergangenen Jahre mehrere in Schweden lebende Deutsche kennengelernt und ihnen die Frage gestellt „Warum bist du nach Schweden ausgewandert?“ beziehungsweise „Was ist in Schweden besser als in deinem Heimatland?“ Auf dieser Seite findest du häufig vorkommende Antworten, gemischt mit meinen Eigenen Erfahrungen und Eindrücken.
Ich hoffe diese Liste erleichtert dir den Entschluss zu fassen, ob die Idee nach Schweden auszuwandern was für dich ist oder du vielleicht doch lieber in Deutschland bleiben möchtest.
Auswandern nach Schweden – 10 Vorteile
Hier eine Zusammenfassung der häufigsten Antworten auf die Frage, warum sich Menschen für Schweden entscheiden.
Weniger Stress
Die Menschen in Schweden sind einfach viel gelassener als in Deutschland. Hier kann man pünktlich um fünf Uhr von der Arbeit nach Hause gehen ohne schlechtes Gewissen – deine schwedischen Kollegen machen das schließlich auch. Und schon auf der Straße merkt man es, Schweden gehen etwas langsamer, es wird weniger gemoppert und geschimpft und der Gesichtsausdruck der Schweden ist weniger angespannt. Diese Gelassenheit ist ansteckend. :)
Freundlicher, persönlicher Umgang miteinander
Schweden duzen einander. Bis auf das schwedische Königshaus kannst du in Schweden jeden einfach duzen, auch deinen Chef und den Polizisten bei der Alkoholkontrolle. Natürlich bedeutet das nicht direkt, dass alle auf einmal miteinander befreundet sind – auch hier gibt es soziale Regeln die man beachten sollte – aber insgesamt ist es einfach angenehmer sich nicht jeden akademischen Titel merken und aussprechen zu müssen wenn mit Joakim über die nächsten Urlaubspläne spricht.
Der schwedische Sommer
Im Sommer sind die Nächte in Schweden kurz und die Tage lang. Da kann man auch um 22 Uhr noch im Freien sein und bei Tageslicht Spazierengehen oder Grillen. Mehr Sonnenlicht führt nicht nur zu mehr Möglichkeiten bei der Freizeitgestaltung sondern auch zu fröhlichere Schweden. Auch wenn sie im Winter etwas zurückhaltend erscheinen, sind die Schweden im Sommer wenn sie nach ein-zwei Bier oder Glas Wein im uteservering (Aussenbereich einer Bar oder Restaruant) sitzen richtig gesprächig und gesellig. Eine hervorragende Zeit um Schweden kennenzulernen.
Außerdem wird es nicht so brüllend heiß im Sommer in Schweden. Manchmal sehr warm, aber eben selten richtig heiß.
Mehr zum Thema Trinkkultur in Schweden, hier
Arbeitsklima & Flache Hierarchien
In den Unternehmen und Organisationen in Schweden wird nicht nur geduzt, auch ganz allgemein herrscht ein freundlicherer Umgangston. Nicht selten fragt der Chef seine Untergeordneten nach deren Meinung in einem wichtigen Entscheidungsprozess. Die Schweden sind bei ihrer Entscheidungsfindung sehr konsensusorientiert.
Mehr zum Thema Arbeiten in Schweden – schwedische Arbeitskultur, hier
Weniger Klugscheißer, Besserwisser, Miesepeter und Angeber
Die Schweden motzen weniger. In Gesprächen mit der Lokalbevölkerung wird dir auffallen, dass die Gesprächsthemen weniger von Dingen handeln die „nicht funktionieren“, „nicht durchdacht“ sind, „doof“ sind oder „einfach keinen Sinn machen“. Man spricht eher über neutrale Dinge oder positive Erlebnisse. Schweden sind im Vergleich zu Deutschen eher konfliktscheu bzw. harmonieorientiert. Selbstdarsteller und Angeber werden verpönt.
Mehr über schwedische Kultur und Eigenarten, hier
Permanente Herausforderungen und Training
Die sprachlichen Unterschiede machen, dass du konstant deinen Hirnschmalz in Bewegung bringen musst um mit der schwedischen Bevölkerung zu kommunizieren, sei es auf Schwedisch oder Englisch. Das Lernen der schwedischen Sprache im Alltag hört auch nach mehreren Jahren in Schweden nicht auf, man lernt neue Begriffe und Redewendungen
Grundwortschatz: Schwedische Wörter und Begriffe, hier
Der Sozialstaat
Wie auch in Deutschland ist Bildung kostenfrei. Für Einheimische gibt’s keine Studiengebühren. Man kann sich sogar als Berufstätiger mit entsprechender Vorkenntnis einfach für Kurse anmelden wenn man Interesse am Thema hat und sich so weiterbilden und die akademische Seite des Lebens in Schweden kennenlernen.
Man iststaatlich krankenversichert. Man zahlt lediglich eine Art Praxisgebühr (ca. 10-30 Euro, je nach Arzt und Region), aber auch da gibt es einen Maximalwert von ca. 200 Euro pro Jahr den man bezahlt. Danach werden alle weiteren Kosten von der staatlichen Krankenversicherung (Försäkringskassan) übernommen.
… es soll sich ja schließlich lohnen, wenn man hier schon höhere Einkommenssteuern zahlt ;)
Technologisch fortschrittlich
Heutzutage macht bekomme ich vom Staat, der Versicherung und anderen großen Organisationen und Institutionen nur noch digitale Post. Man überweist Geld an Freunde oder zahlt den Blumenhändler auf dem Marktplatz bargeldlos via der Swish-App. Die meisten Webseiten der schwedischen Firmen und Organisationen sind auf dem neuesten Stand. Und das Streaming bzw. das mobile Internet funktioniert einwandfrei – ganz ohne ruckeln beim Videochat.
In vielerlei Hinsicht sind technologische Trends bereits Mainstream bevor sie auf dem deutschen Markt eingeführt werden. (Hier zahlt kaum einer mit Bargeld und das Selbstscannen von Waren im Supermarkt macht man in Schweden schon seit 2010.)
Die Möglichkeit sich selbst neu zu entdecken
In ein anderes Land auszuwandern ist zwar teilweise anstrengend, aber man hat auch die Möglichkeit sich in dem neuen Umfeld selbst neu zu erfinden. Man startet auf einer unbeschriebenen Seite im eigenen Tagebuch – ein neues Kapitel seiner Lebensgeschichte.
Nähe zur wunderschönen schwedischen Natur
Egal wo du in Schweden wohnst, du findest ein schönes Fleckchen Natur immer irgendwo in der Nähe, wo du einfach die Seele baumeln lassen kannst, verschnaufen, die Aussicht und vor Allem die Ruhe genießen kannst. Ein wertvolles Stück Lebensqualität.
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Nach Schweden auswandern – 3 Nachteile
Dinge, die das Leben in Schweden teils nicht so toll machen.
Langsamere Entscheidungsprozesse
Gerade bei der Arbeit, wenn man mal schnell was in die Gänge bekommen möchte, muss man sich in größeren Organisationen darauf einstellen, dass der Prozess etwas länger dauern kann als es einem lieb ist. Die die schwedische Hingabe zum Konsensus und Harmonie kostet eben Zeit.
Sprachbarriere
Auch wenn du schon richtig gut Schwedisch gelernt hast, dich fließend mit Schweden unterhalten kannst und kompliziertere Texter verstehst, es gibt trotzdem immer noch hier und da Wörter und Redewendungen deren Bedeutung man falsch versteht, was zu Problemen in der Kommunikation führen kann.
Tipps zum Schwedisch lernen, hier
Schwedisches Brot
Ein richtig ordentliches Brot mit ist in Schweden eher Mangelware. In den Supermärkten oder in der Konditorei findet man meist nur süße, weiche Brote ohne ordentliche Kruste. Da muss man schon zur Spezialbäckerei gehen um eine Qualität zu bekommen die in Deutschland standard ist. Bäckereien gibt es in Schweden – im Vergleich zu Deutschland – nicht an jeder Ecke. Also beim nächsten Schweden-Besuch lieber Brot aus Deutschland mitnehmen. ;)
Schwedisches Essen und Trinken – Was bei den Schweden auf den Tisch kommt
Warum möchtest du nach Schweden auswandern?
Sollte dein Auswanderungsgrund nicht aufgeführt sein, ergänze ihn einfach im Kommentarfeld unter dem Post.
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Hej 🙂,
Das mit dem Brot ist etwas veraltet. Ich lebe seit 15 Jahren in Schweden, Helsingborg. Hier gibt es fast alles. Sogar eine Holzofenbrot Variante🙂
Mein Eindruck aus Skåne.
Schöne Grüße
Marina
Hej Marina! Da gebe ich dir Recht, dass sich das mit der Brotqualität verbessert hat. Finde allerdings, dass das „normale Brot“ in Schweden immer noch deutlich hinter dem deutschen hinterhinkt. Ist aber natürlich Geschmacksache ;)
(Jetzt habe ich hunger bekommen und werde mich gleich mal bei ICA in der Brotabteilung umschauen, ob es dort was Frischgebackenes mit Sauerteig und einer ordentlichen Krüste gibt ;) )
In den großen Supermärkten gibt es heutzutage sehr wohl Brot, das nicht süß ist.
Meinen Mann und mich würde interessieren, was wir als Rentner tun müssen um hier in Schweden ständig zu leben! Wieviel steuern müssen wir zahlen? Was ändert sich wenn wir unser Sommerferienhaus auch im Winter bewohnen wollen! Mein Mann hat COPD und muss am!e drei Monate zum Lungenfacharzt und sein Spray auf Rezept holen. Ich muss auch regelmäßig zur Blutabnahme! Wie und wo finde ich die entsprechenden Ärzte?
Hallo Marion, Ärzte findet man bei der lokalen „vårdcentralen“. Dazu einfach bei Google deine Stadt und „vårdcentral“ eingeben. Ansonsten in Schweden die 1177 anrufen.
Infos zu Steuern, beim Skatteverket. Auf der folgenden Seite findest du die Telefonnummer, bei der man auch auf Englisch Antworten zum Thema Steuern bekommt: skatteverket.se
Alles Gute!
Übrigens, du kannst dein Sommerferienhaus auch im Winter bewohnen, da gibt es beim Amt keine Unterschiede zwischen „Ganzjahres- und Sommerhaus“. Aus technischer Sicht – z.Bsp. Dämmung, Wasserleitungen etc. – sollte man das Haus allerdings in einen „vinterbonat“ Zustand bringen. Dazu am besten einen kundigen Fachmann zu Rate ziehen, der dein Haus diesbezüglich beurteilen kann.
Hej!
Es gibt wirklich bloß diese drei Nachteile? Ist die Selbstmordrate nicht höher weil es dort früher dunkel wird? Würdet ihr dem zustimmen?
Würde mich über eine Antwort freuen (-;
Hej Karoline! Natürlich gibt es auch weitere Nachteile ;) Diese werde ich dann in einem anderen Blog-Post erwähnen.
Die Selbstmordrate – habe ich irgendwo mal nachgelesen – ist nicht nennenswert höher als in Deutschland. (Update: siehe Bericht von WHO, der zeigt, dass die Selbsmortrate bei der Altersgruppe 65+ in Deutschland höher ist als in Schweden. Unter 65 ist die Selbstmortrate in Schweden höher, siehe hier.) Dunkelheit kann ein Grund sein warum Selbstmordrate zu gewissen Jahreszeiten ansteigen. Hier ein interessanter Artikel von der staatlichen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten zu diesem Thema (wenn du kein Schwedisch verstehst, kannst du den Link bei Google Translate (hier) eingeben und die Seite auf Deutsch lesen): https://www.folkhalsomyndigheten.se/livsvillkor-levnadsvanor/psykisk-halsa-och-suicidprevention/att-forebygga-suicid/statistik-om-suicid/
Moin,
hier in Norrland ist die Dunkelheit gefühlt nicht so dunkel wie z.B. in Hamburg, weil der Schnee weiß bleibt und auch nachts viel Reflektiert. Aber man muss natürlich den Winter mögen, auch wenn es wie letztens wochenlang um – 30 °c kalt ist.
Ich wohne seit 16 kahren in Schweden und bin inzwischen sehr negativ eingestellt.
Die Schulen sind ein ziemliches Chaos (verglichen mit der schweiz vor 30jahren muss ich gestehen.) Alleine die Stundenpläne sind ohne struktur, pausen zu verschiedenen zeiten, lektionsdauer ist nicht einheitlich. Die schulen die ich kenne haben schüler die bis zu 60 % fehlen, von klasse wiederholen spricht man nicht, man stellt einfach mehr helfer an um die schüler doch noch irgendwie mitzukriegen.
Die Arbeitsruhe ist daher nicht gewährleistet und viele Schüler fühlen sich gestört. Die landesweiten prüfungen werden noch von den eigenen lehrern korrigiert, derren interesse natürlich darin liegt so gut wie möglich dazustehen.
In Schweden ist es fast unmöglich jemanden zu feuern was nicht nur in den Schulen sonder überall zu faulen Eiern führt. Die arbeitsmoral ist grad bei allem was stastlich ist sehr tief. Wartezeiten werden im er länger. Das Gesetz, dass jeder Pazient seine hilfe innerhalb von drei månaten kriegen muss wird all zu oft nicht eingehalten. Folgen gibt es keine.
Wer eine beschwerde gegen eine offizielle stelle einreichen möchte muss eine ganze mühle zum laufen bringen und, nach meiner erfahrung, ändert sich dann doch nichts.
Schweden hatte schon vor Corona einen mangel an Krankenpersonal und wäre d der pandemi haben noch über 10% den Beruf gewechselt, auf das ganze krankensystem ist kein berlass mehr und die statliche versicherungen muss geld spaaren så das vielfach die kranken noch kämpfen müssen um das geld zu kriegen, welches ihnen zusteht. Man sagt hier aus diesem grund „man muss gesund sein um krank zu sein“
Zum Schluss noch kurz zum sozialamt. Es wird hier nur geredet, nicht gehandelt, psychische gewalt wird in der praxis nicht untersucht, dafür hat die physische gewalt auch bei leichteren vergehen krasse volgen. Aufgepasst also, seine kinder Manipulieren und gegen den andern elternteil aufstacheln ist voll ok, aber ein kind mit etwas notwendiger gewalt ins auto setzen (um es in die schule zu fahren) kan verheerende folgen haben für die ganze familie
Dazu kommt noch, dass die gleichstellung inzwischen so ist, dass politiker werbeslogans haben wie „härtere strafen für gewalttätige männer“ frauen sollen also schwächere straffen kriegen als männer fürs gleiche delikt.
Ich bin nicht mehr freiwillig hier und werde das Land verlassen sobald ich kann.
Hallo Sebastian,
Vielen Dank für den Kommentar! Ich verstehe, dass du Schweden aus einer weniger positiven Perspektive kennengelernt hast.
Zustimmen kann ich dir im Bereich Gesundheitswesen; da ist die steigende Belastung in den letzten 20 Jahren merkbar. Wenn ich mich mit Bekannten in Deutschland austausche, scheint es sich dort jedoch nicht viel besser entwickelt zu haben. Von Schweden habe ich mehrfach gehört, „bei Kleinigkeiten bekommt man nur sehr langsam Hilfe. Wenn’s was Ernsteres ist, ist die Krankenfürsorge aber sehr gut.“ Man kann sagen, dass die Versorgung in den Vårdcentralen (eine Art Ortsteil-Mini-Krankenhaus) die Leistung etwas schwächer und teils unzufriedenstellend ist. Sobald man aber erstmal in Kliniken und Krankenhäusern überwiesen worden ist, bekommt man aber sehr gute und zügige Behandlungen.
Also in Schweden lieber Arm-brechen statt Grippe ;)
Schulen sind kommunal gesteuert. Da kann es sein, dass gerade in deinem Bereich es nicht ganz gut läuft. Das Thema Mängel in der Schule in Schweden steht schon seit 20 Jahren auf der Diskussionsagenda. Da hat sich viel verändert. Teils zum Besseren, teils zum Schlechteren. Schwedische Schüler sind laut PISA im Vergleich zu Deutschen auf ungefähr gleichem Niveau (etwas drüber).
Während in der Schule und in der Vårdcentralen an Verbesserungen gearbeitet wird, kann man immerhin schon heute und in Zukunft täglich die schöne Natur Schwedens und die entspannte Art der schwedischen Lebensweise genießen.
Frage an alle Leser, die bereits ausgewandert sind: was sind eure Auswanderer-Erfahrungen in Schweden? Gute und Schlechte!
Heil Matthias:
Wir haben vor laengerer Zeit mal telefoniert. Ich freue mich immer noch auf Deine newsletters. Habe inzwischen schon den 4. Sommer in Mittelschweden naehe Oestersund verbracht, auf meiner Baustelle in einem kleinen Weiler mit 5 Nachbarn in Sichtweite. Ich wollte als Tierarzt dort Arbeit suchen, nachdem irgendwelche Medien berichtet hatten, dass Schweden insgesamt ca. 300 Tieraerzte aus der EU braucht, um die Grundversorgung fuer die Tiergesundheit wiederherzustellen, das war ca. 2019/2020. Habe dann brav Schwedisch gelernt und mich in der Region im Umkreis von ca. 1 Fahrstunde ueberall beworben, telefonisch, per mail, und mit Androhung eines Besuches. Auch in meinem Handwerksberuf Hufschmied war ich auf der Rennbahn und bei Berufskollegen vorstellig.
Zuerst Positives:
Immobilien sind gross und guenstig, der Ankauf und die Nutzung sind relativ unbuerokratisch und mit einer Aktion ueber den Makler praktisch erledigt. Die Naturumwelt und die Versorgung sind gut, vorausgesetzt, man faehrt gerne Auto und fuehlt sich in amerikanisch-gestalteten Einkaufszentren wohl. Fuer Jagd, Fischerei, Beeren und Pilze sind die Moeglichkeiten gut, Freiluftsport ist im Sommer und im Winter praktisch unbegrenzt und in gewisser Weise kostenlos. In zahlreichen Flohmarktlaeden kann man alles guenstig kaufen, sonst sind die Preise mit Oesterreich und Deutschland vergleichbar.
Problematische Realitaet:
Mittel- und Nordschweden ist nicht gleich Suedschweden, das gilt fuer die Mentalitaet und fuer Sitten und Preise. Wie auch im deutschsprachigen Raum, ist die Gesellschaft zwischen Stadt und Land gespalten, die Auslaenderfreundlichkeit nimmt gegen die Provinz ab und die Offenheit wird zum Schweigen. Gewisse Themen duerfen nicht angesprochen werden, wie zum Beispiel Loehne und Preise, Haltung gegenueber Militaer und Russland, Steuern und Staatsleistung, Monopole und digitale Finanz mit praktisch staatlich gesteuerten Banken. Kontaktaufnahme und Einladungen sind aus meiner Sicht einseitig, man wird einmal neugierig ausgehorcht, dann folgt aber keine Gegeneinladung oder eine Erhaltungsbemuehung fuer die Beziehung . Im Gegensatz dazu ist aber die Hilfsbereitschaft unter Nachbarn trotzdem immer gut, das heisst, man kann immer um Hilfe fragen, auch wenn man sonst wenig Kontakt hat. Umgekehrt sind die Nachbarn eher verschreckt, wenn man aktiv Hilfe anbietet. Probleme selbst und alleine zu loesen, ist auf dem Land sozusagen eine skandinavische Tugend, bewusste Pflege von gemeinsamer Problemloesung beschraenkt sich auf den engsten Familien- und Bekanntenkreis. Die freundliche Aufnahme zum Gratis-Sprachkurs fuer alle Einwanderer war herzlich und auch multi-kulti-interessant. Die deutschen und niederlaendischen Einwanderer waren leicht und schnell integriert, die christlichen Afrikaner und Osteuropaeer besser, und die muslimischen Afrikaner und Araber eher schwieriger. Die Lehrer waren teilweise Laien in der Paedagogik, haben sich aber immer sehr bemueht, zum Teil sogar als kleine „Polit-Kommissare“ mit Erziehungsauftrag gegenueber den sehr vielfaeltigen Einwanderern, insbesondere gegenueber den Schuelern mit Fluechtlingsstatus.
Immobilien zu kaufen gibt es, fuer unsere Verhaeltnisse, gross und billig, aber die Renovation wird sehr teuer, wenn man ohne Obi, Hornbach und Bauhaus auskommen muss. Man kann oertliche Handwerker beauftragen, welche dann eher langsam und teuer sind, oder man kann bei oertlichen Baustoffhaendlern Materialien zu Wucherpreisen kaufen. Ich frage mich immer, wie die Einheimischen das mit Ihren Loehnen bewerkstelligen. Die Antwort ist wahrscheinlich: Die meisten koennen sich eine Renovation gar nicht leisten und wohnen lange Zeit in Provisorien und/oder machen Schulden. Ich habe ausserdem die laufenden Kosten fuer Stromanschluss, Wassergenossenschaft, Weggenossenschaft, Gemeindeabgaben und Liegenschaftssteuern unterschaetzt. Wenn ich meine jaehrlichen ca. 3 Monate Aufenthalt rechne, dann kommt ueber die ganzjaehrigen Grundgebuehren schon einiges zusammen, geht Richtung Luxusurlaub.
Fuer mich sind die Sommer auf meiner Baustelle eine Abwechslung zum politischen Chaos und zum Stress in der EU und in der Schweiz sonst, eine Arbeitstherapie auf meiner eigenen Baustelle, ohne Aussicht auf eine Integration in meinem Kernberuf. Die oertliche halbstaatliche Veterinaerstation hat mir einen Anfangsassistentenjob fuer 11,50 EUR pro Stunde nettonetto angeboten, meine Nachbarn haben mich gefragt, warum ich nicht als Koch anfange, weil ich so gut koche. Nach den 4 Jahren mit Handwerks- und Aufraeumarbeiten auf meiner Immobilie wollte ich dann doch mal eine Reise ueber Norwegen bis in den hohen Norden machen, habe dazu einen Bus mit Bett verzollt und mitgebracht, die Anmeldung des Fahrzeuges wurde mir aber verweigert, auch eines 2. Fahrzeuges, mit welchem ich es probiert habe. Das Verkehrsamt in Malmoe (oder vielleicht nur ein Computer mit einem Vornamen?) wies beide Homologisierungsgesuche (ursprungskontroll) zurueck, die Fahrzeugpapiere seien nicht ausreichend (1x Schweiz, 1x Holland/EU). Jetzt habe ich 2 Busse in Schweden stehen, mit welchen ich nicht fahren kann.
Jeglicher Kontakt mit dem Staat und mit den Banken findet nur noch digital statt. Es ist sehr schwierig, mit einem Menschen auf einem Amt oder auf einer Bank ins Gespraech zu kommen, wenn man ein Problem hat, welches nicht in ein digitales Menue passt. Allgemein sind Staatsbeamte freundlich und auch auf Englisch bemueht, aber nur im Rahmen ihrer Normalarbeitszeit und ihres kleinen Aufgabenbereichs. Fuer eine Diskussion von Sonderfaellen hat niemand Zeit oder Lust, auch Profis in der freien Wirtschaft sind sehr auf Ihre Routine-Praxis beschraenkt und fuehlen sich durch exotische Wuensche eher unnoetig aufgehalten. In der Schweiz werden Sonderfaelle prizipiell behandelt, einfach dann zum vielfachen des Normal-Preises, mit Anwaltspflicht etc..
Angeblich waeren viele Probleme zu loesen, wenn ich in Schweden ein eigenes Unternehmen eroeffnete (eget foeretag), die Kleinbetriebe werde vom Staat gefoerdert und relativ freundlich und tolerant behandelt, was Buerokratie und Steuern anbelangt. Diesen Schritt wollte ich mit 57 aber nicht mehr machen, andererseits ist mir der Anschluss an eine bestehende Struktur (Tierklinik, Hufbeschlagsschmiede, Handwerksbetrieb, Handelsfirma…) in Schweden offenbar menschlich nicht geglueckt. Die Idealvariante ist sicherlich eine Rente oder Rendite aus dem Heimatland, und damit das Ferienerlebnis in Schweden zu finanzieren, ohne Verdienstabsichten, zumindest in meiner Konstellation, als staatskritischer und antidigitaler Grisgram. Momentan ist fuer mich alles offen, Pensionist bin ich noch nicht.
Fazit:
Fuer ein unbeschwertes Dasein in Schweden ohne Verdienstabsichten im Land sollte man ueber die noetige finanzielle Freiheit verfuegen und sich die Region und die Nachbarschaft sorgfaeltig aussuchen. Wenn man nicht gerne fliegt, muss man im Sueden bleiben, ansonsten werden die Wege zu lange. Obi, Hornbach, Bauhaus und Lidl in der Naehe helfen bei der Entfaltung, wenn man normalbetucht ist. Man muss akzeptieren, dass der Integrationswille bisweilen einseitig bleibt, dies gilt natuerlich auf der ganzen Welt. Ich denke, die besten Voraussetzungen haben junge und anpassungsfaehige Familien, die in Schweden mit vollem Enthusiasmus ein neues Leben beginnen wollen. Ich selbst werde versuchen, meinen kleinen Fluchtort dort zu erhalten, und die positiven Seiten zu sehen, solange ich dort fuer mich selbst eine Aufgabe habe, mit der Pflege meiner inzwischen liebgewonnenen Immobilie. Mein Einkommen muss ich weiterhin in der Schweiz und in der EU besorgen, die Perspektive dafuer ist ebenfalls ungewiss. Als freiheitlich-liebertaerer-liberaler Mensch suche ich einen Platz zum Bleiben, mit weniger Eingriff durch den Staat. Dafuer habe ich hueben wie drueben allerdings noch keine Loesung gefunden.
Matthias, ich freue mich ueber Besuch, von Dir selbst und von Deinen „Followern“, das gilt fuer meinen Wohnsitz in der Schweiz und fuer meine „Sommerresidenz“ in Jaemtland. Du kannst meine Erreichbarkeit gerne weitergeben. Ich wuensche Euch Glueck, Gesundheit und gute Beziehungen.
Ganz herzlichen Dank für den ausführlichen Kommentar, Andreas! Deine Erblebnisberichte werden sicherlich Anderen, die mit dem Gedanken spielen nach Schweden auszuwandern oder dort zumindest zeitweise zu arbeiten, bei der Entscheidungsfindung helfen – Freude und Frustrationen. Gerade das Kontakteknüpfen ist so ein Thema womit viele Schwedenauswanderer Probleme haben. Dazu habe ich einen Post geschrieben, allerdings auf Englisch, hier der Link: How to Make Friends in Sweden und wie ich schwedische Freundschaften geknüpft habe. Ich hoffe da gibt es die eine oder andere Inspiration für’s Freundefinden hier im Norden. Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege, hier unter den Lesern deines Kommentars, jemand der bei der passenden Karriere in Schweden weiterhilft.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Schweden-Abenteuer!